Gehirn neu modellieren

Die einfachste Technik gegen chronische Schmerzen

Stand 01.05.2021

Können wir Schmerz verlernen?

Zu den effektivsten Methoden unser Gehirn neu zu programmieren, gehören kognitive, verhaltensbezogene Techniken. (CBT, 1, 2)

Techniken, bei denen wir unseren Verstand nutzen, um bewusst anders als bisher zu handeln.

Um so ein neues, erwünschteres Ergebnis zu erzielen.

Wie zum Beispiel chronische Schmerzen zu reduzieren. Oder diese gar loszuwerden.

CBT Techniken helfen beispielsweise, die während eines Schmerzschubes aufkommende Angst zu reduzieren.

Sie unterbrechen die sich selbst verstärkende Spirale aus Angst und Schmerz und fördern neue, zielführendere neuronale Verknüpfungen.

So können wir die bei Chronifizierung aufgetretenen Gehirnveränderungen umkehren.

Bisweilen sogar vollständig und innerhalb weniger Monate. (3)

Das einfachste Übungen hierzu findest Du gleich hier:

Beschreib's beruhigend

Dies ist das einfachste Werkzeug, mit dem wir arbeiten können.

Wir beschreiben unsere Schmerzen und Symptome einfach mit anderen Worten.

Was soll das bringen?

Wann immer wir ein Wort sagen (oder denken) entsteht dazu ein mentales Bild.

Jede Vorstellung hat Einfluss darauf, wie unser Gehirn reagiert.

Wenn wir also an einen stechenden Schmerz denken, entsteht das Bild eines Messers. Welches vielleicht irgendwo in unserem Rücken steckt oder wiederholt zusticht.

Keine sehr beruhigende Vorstellung.

Viel wahrscheinlicher aktiviert sie die Angstzentren in unserem Hirn dazu, mehr Schmerzsignale an unseren Rücken zu senden.

Die dazugehörige Übung ist einfach:

Beobachte, wie Du Deine Schmerzen beschreibst und…

Ersetze jedes Wort, das negative mentale Bilder hervorruft durch eine beruhigendere Variante.

Beispiel: „Verdammt, tut das weh! Das brennt wie Feuer.“
→ „Ich fühle mich weniger wohl als ich jetzt gerne möchte.“

Damit beschreibst Du weiterhin, dass Du Dich nicht wohl fühlst.

Doch das Wort ‘wohl’ trägt bereits dazu bei, unser Hirn zu beruhigen.

Ein Tag ohne Schmerz

Testweise kannst Du auch mal einen ganzen Tag auf das Wort ‘Schmerz’ verzichten.

Statt über Deine Rückenschmerzen zu sprechen, nenn das ganze vielleicht Empfindung.

Eine Empfindung, die weniger angenehm ist, als Du es gerne hättest.

Alternativ ginge auch das Wort ‘Druck’.

Oder, wenn Du’s Humor hast, denke statt Rückenschmerz Banane.

Richtig. Eine große Banane im Rücken.

Die langsam kleiner wird während Du darüber schmunzelst.

Alles, das keine negativen Assoziationen und Angst auslöst ist günstiger als das Wort Schmerz.

Indem wir auf unsere Sprache achten, ändert sich wie unsere neuronalen Schaltkreise auf Schmerzsignale reagieren.

Indem wir eine Empfindung nicht mehr als Schmerz verarbeiten sondern nur noch als Druck, oder „etwas, mit dem wir uns nicht wohl fühlen“, schaffen wir eine komplett andere Erfahrung für Gehirn und Körper.

Ganz im Gegenteil

Gehen wir noch einen Schritt weiter:

Wenn Du oft bestimmte Beschreibungen für Deinen Schmerz verwendest (wie „das brennt“), kannst Du damit experimentieren, das gegenteilige Wort zu nutzen.

„Dieses Gefühl ist nicht ganz so kühl, wie ich es gerne hätte.“

Falls etwas sticht, ist es momentan vielleicht nicht ganz so gut gepolstert.

Wenn es sich so anfühlt, als würde es sich zusammenziehen, beschreib es als nicht ganz so locker.

Sei kreativ! Viel Spaß dabei!

Was kann ich noch tun?