Wenn Dein Arzt nichts findet und Behandlungen nichts ändern

Mit diesen 30 Fragen kommst Du psychophysiologisch bedingten Beschwerden auf die Schliche

Stand 19.05.2021

Stell Dir vor Du gehst mit Beschwerden zum Arzt und er sagt: „Tut mir leid, Sie sind völlig gesund.“

Oder, zeitaufwändiger:

Er veranlasst ein MRT oder Röntgenbild.

Führt Deine Beschwerden auf eine Anomalie oder Abnutzung zurück.

Du absolvierst die empfohlene Therapie.

Doch die Beschwerden bleiben.

Oder verlagern sich kurz darauf an den nächsten Ort.

Was nun?

Schmerzen und Beschwerden bedeuten nicht zwangsläufig, dass eine Gewebeschädigung vorliegen muss.

Auch Stress, Traumata und unterdrückte Emotionen können schwerwiegende körperliche Beschwerden verursachen.

Solche psychophysiologisch begründeten Symptome verschwinden dann natürlich nicht einfach, indem wir Krankengymnastik machen. Pillen oder Globuli schlucken.

Oder uns gar operieren lassen.

Biomechanisch sinnvolle Bewegung kann zwar auch hier (wie fast immer) zur Heilung beitragen.

Das Allerwichtigste zur Linderung solcher Symptome jedoch ist Wissen.

Zu verstehen, wie Schmerz im Gehirn verarbeitet wird und wie wir Veränderungen unserer neuronalen Verknüpfungen wieder rückgängig machen.

Dass eine psychophysiologische Störung beteiligt ist, ist umso wahrscheinlicher

  • je mehr verschiedene Symptome wir haben
  • an je mehr verschiedenen Körperstellen diese sich befinden
  • und je mehr die Intensität der Schmerzen variiert

Psychophysiologische Störung, Muskelverspannungssyndrom, TMS

Neue Forschungsmethoden machen immer deutlicher, wie tiefgehend unser Geist (Psyche) die Physiologie unseres Körpers beeinflussen kann.

Kliniker, die sich in diesem Bereich auskennen bevorzugen daher in der Zwischenzeit den Begriff psychophysiologische Störung (PPS).

Es gibt jedoch viele weitere, ältere Bezeichnungen für das gleiche Phänomen.

Am bekanntesten wurde dank dem Wegbereiter Dr. John Sarno die Abkürzung TMS.

Diese stand im Laufe der Jahre für Tension Myositis Syndrome, Tension Myneural Syndrome oder The Mindbody Syndrome. Auf deutsch wurde daraus das Muskelverspannungs Syndrom.

Wie kommen wir PPS auf die Schliche?

Wenn weder bildgebende noch manuelle Untersuchung beim Arzt auf eine akute Verletzung / Erkrankung hinweisen, mach den Selbsttest:

Die folgenden 30 Fragen helfen bei der Selbsteinschätzung.
Je mehr Fragen Du mit „Ja“ beantwortest, desto wahrscheinlicher ist es, dass PPD zu Deinen Symptomen beiträgt.

  1. Hat ein Arzt Dich untersucht, ohne eine eindeutige Ursachen für Deine Symptome zu finden?
  2. Hast Du mehr als ein Symptom? (Je mehr, desto wahrscheinlicher ist PPD beteiligt)
  3. Befinden sich Deine Symptome in verschiedenen Bereichen des Körpers?
  4. Unterscheiden sich diese Symptome? (z.B. Kopfschmerzen und Blähungen)
  5. Begann das Symptom ohne offensichtlichen Auslöser?

  6. Falls das Symptom nach einer Verletzung erstmals auftrat, blieb es lange nach der Heilung der Verletzung bestehen? (Die Heilung der meisten körperlichen Verletzungen ist binnen 6 Wochen mehr oder weniger abgeschlossen.)
  7. Bewegt sich Dein Symptom im Laufe der Zeit oder wandert es an verschiedene Körperstellen?
  8. Haben Deine Beschwerden die Qualität von Kribbeln, Brennen, Stromstößen, Taubheitsgefühl, Hitze oder Kälte?
  9. Sind die Symptome je nach Tageszeit mehr oder weniger intensiv oder treten sie morgens oder mitten in der Nacht auf?
  10. Treten die Beschwerden nach, aber nicht während einer Aktivität oder eines Trainings auf?

  11. Werden Deine Beschwerden durch Stress ausgelöst oder verstärkt? Oder wenn Du über stressige Situationen nachdenkst?
  12. Treten Beschwerden weniger schwerwiegend oder seltener auf, wenn Du angenehm beschäftigt oder abgelenkt bist?
  13. Weniger schwerwiegend oder seltener, wenn Du Dich sicher fühlst?
  14. Sind Deine Beschwerden nach körperlicher Behandlung wie Massage, Chiropraktik, Reiki, Akupunktur oder nach einer Kräuter- oder Vitaminergänzung weniger intensiv oder vorübergehend weg?

  15. Werden Deine Beschwerden durch Lebensmittel, Gerüche, Geräusche, Licht, Computerbildschirme, Menstruation, Wetteränderungen oder bestimmte Bewegungen ausgelöst?
  16. Werden Deine Symptome durch die Erwartung von Stress ausgelöst, z.B. vor der Schule, der Arbeit, einem Arztbesuch, dem Besuch einer gesellschaftlichen Veranstaltung oder während dieser Aktivitäten?
  17. Treten Deine Schmerzen bereits auf, wenn Du Dir vorstellst, Dich auf die auslösende Aktivität einzulassen, z. B. Bücken, Drehen des Halses, Sitzen oder Stehen?
  18. Werden Deine Beschwerden bereits durch leichte Berührung oder sanfte Reize wie Wind oder Kälte ausgelöst?
  19. Durchlebtest Du als Kind Erfahrungen, die Du Dir für Dein eigenes Kind nicht wünschen würdest?
  20. Würdest Du Dich als sehr detailorientiert oder als Perfektionist bezeichnen?

  21. Kümmerst Du Dich um die Bedürfnisse so vieler anderer Menschen, dass es Dir schwer fällt, gut für Dich selbst zu sorgen?
  22. Ist es Dir sehr wichtig, anderen zu gefallen oder von anderen als gut angesehen zu werden?
  23. Bist Du Dir selbst gegenüber oft kritischer als andere es wären?
  24. Sind Menschen, die Dir als Kind Stress verursachten weiterhin aktiv an Deinem Leben beteiligt?
  25. Lebtest Du als Erwachsener in engen Beziehungen zu Menschen außerhalb Deiner ursprünglichen Familie, denen Du mehr von Dir gabst als Du dafür erhieltst? Stellte einer dieser Menschen hohe Anforderungen an Dich? Versucht, Dich zu kontrollieren, zu bedrohen oder Dir Schaden zuzufügen?
  26. Begannen Deine Symptome kurz nach einem traumatischen oder schrecklichen Ereignis?

  27. Hattest Du im Laufe Deines Lebens andere körperliche Symptome, die Dein Arzt nur schwer zuordnen konnte?
  28. Hattest Du früher oder hast Du gegenwärtig eine Essstörung (Anorexie oder Bulimie), eine Sucht (Drogen, Alkohol, Essen, Sex, Arbeit, Glücksspiel, Einkaufen, Bewegung) oder hast Du Dich selbst geritzt?
  29. Sorgst oder ängstigst Du Dich mehr, als Du es müsstest?
  30. Leidest Du unter Depressionen, Schlafstörungen, Müdigkeit? Hast kaum noch Interesse an Tätigkeiten, die Dir früher Freude bereiteten? Denkst über Selbstmord nach? (Falls ja, vertrau Dich Jemandem an.)

Konntest Du mehrere dieser Fragen mit JA beantworten?

Dann kannst Du den Heilungsprozess direkt anstoßen:
Vertiefe Dein Wissen über Schmerzverarbeitung und -entstehung.

Chronische Schmerzen: Die 6 wichtigsten Fakten

Welche Beschwerden können durch PPS mitverursacht werden?

Zu den Beschwerden zu denen Stress üblicherweise maßgeblich beiträgt zählen unter anderem:

Chronische Schmerzen

  • Rückenschmerzen
  • Nackenschmerzen
  • Knieschmerzen
  • Fußschmerzsyndrome
  • Patellofemorales Syndrom (PFSS)
  • Piriformis-Syndrom
  • Chronische Sehnenentzündung (in jedem Gelenk)
  • Myofasziales Schmerzsyndrom
  • Fibromyalgie
  • Spannungskopfschmerzen
  • Schleudertrauma
  • Chronische Bauch- und Beckenschmerzsyndrome
  • sowie Verletzungen durch wiederholte Belastung

weitere Symptome

  • Migräneattacken
  • Schlaflosigkeit
  • Parästhesien (Taubheitsgefühl, Kribbeln, Brennen)
  • Tinnitus (Ohrensausen)
  • Trigeminusneuralgie
  • Schwindel
  • Atembeschwerden
  • Kloß im Hals
  • Chronischer Husten
  • Überempfindlichkeitssyndrome (Berührung, Klang, Geruch, Lebensmittel, Medikamente)

ACHTUNG: Die oben genannten Beschwerden können auch von strukturellen Schäden oder Organerkrankungen verursacht werden.
Bevor Du auf rein kognitiv-emotionaler Ebene arbeitest, konsultiere zuerst einen Arzt, um akute, schwerwiegende Erkrankungen auszuschließen.

Chronische Schmerzen: Die 6 wichtigsten Fakten
Quellen & weitere Infos